Roboter in der Gastronomie – Wird R2D2 der neue Held am Herd?

Kein Krankheitsausfall, kein Urlaub, keine Kündigung. Dafür akkurate Arbeit, lange Schichten und konstante Qualität. Für welchen Restaurantbesitzer oder Barbetreiber hört sich diese Aussicht nicht verlockend an?

Servicemitarbeiter oder Köche durch Roboter zu ersetzen – dies ist in asiatischen Ländern wie in China schon seit einigen Jahren keine Seltenheit mehr und auch in Europa erobern Roboter Schritt für Schritt, oder besser leise rollend die Gastronomie. Sind Maschinen hinterm Tresen und im Gastraum eine nicht aufzuhaltende Zukunft oder doch nur ein kurzlebiger Hype?

 

Kürzlich eröffnete in Wien ein „Rollercoaster Restaurant“, in welchem die Gäste ihre Speisen erst über ein Tablet bestellen und es dann über ein Schienensystem an die Tische gebracht bekommen. Und Roboter kümmern sich auch um die Arbeit in der Küche: Sie schneiden Nudeln, legen sie in kochendes Wasser und füllen Suppen in Schüsseln. Schnell, effizient und präzise.

Auch im Chinesischen „Robot Restaurant“ stehen neun Mitarbeitern elf Roboter entgegen, welche das Essen servieren und laut Restaurantmanager Xu Jing verlässlich sind, gute Arbeit leisten und bei den steigenden Lohnkosten im Land der aufgehenden Sonne günstiger sind als ihre Kollegen aus Fleisch und Blut. Ebenso wie in China und Wien geraten auch die Gäste des Kreuzfahrtschiffes „Costa Diadema“ im westlichen Mittelmeer in Zukunft in den Genuss einer Bedienung à la R2D2. Die Roboter des Modells „Pepper“ versorgen die Gäste nicht nur mit nützlichen Reiseinformationen und den Angeboten an Bord, sondern sie sprechen auch  Empfehlungen für den nächsten Landausflug aus und geben Tipps zu den Restaurants des Schiffes. Darüber hinaus sprechen und scherzen die kleinen Peppers auch aktiv mit den Gästen. Und zwar in tadellosem Englisch, Französisch und Italienisch. Eine hohe Kommunikationsfähigkeit und das proaktive Lesen von menschlichen Emotionen und Bedürfnisse – dies ist neu für einen Roboter und so wird Pepper mit Gästen tanzen, spielen und mit ihnen für Selfies posieren.

 

Effizienter, verlässlicher, schneller, besser?

Sieht so denn überhaupt guter Service und eine einwandfreie gastronomische Leistung aus? Oder fehlt es den Service-Maschinen nicht an etwas? Auch wenn Pepper Bedürfnisse lesen und reagieren kann, so gibt es doch ein paar Dinge, welche einer flächendeckenden oder auch nur dem partiellen Einsatz von Robotern entgegen sprechen.

Fangen wir einmal mit Kundenbindung und persönlichem Gästekontakt an. Jede Servicekraft kennt es: Der Gast freut sich über eine persönliche Empfehlungen von der Karte, einen erfüllten „Extrawunsch“ oder auch einfach, dass man sich an seinen Namen erinnert, wenn er wieder kommt. Der Stammgast, der jeden Freitag das Glas Prosecco vor seinem Essen trinken möchte, die junge Frau, welche ihr Schnitzel ohne Panade bestellt oder der Nachmittagsgast, der eigentlich immer zum Schwatzen vorbei kommt und sich mehr für die Sorgen der Servicekraft, als die Neuigkeiten auf der Speisekarte interessiert  – sie alle würden wohl enttäuscht sein, wenn ihnen statt eines freundlichen Lächeln oder dem neuesten Tratsch ein irritiertes und irritierendes Piepen entgegen gebracht würde. Denn geht es Gästen nicht vor allem um persönlichen Kontakt, wenn sie in ein Restaurant gehen?

Auch am Herd sollte man die angebliche Qualität eines Roboters massiv in Frage stellen den  es ist doch anzuzweifeln ob kulinarische Höhenflüge vollführt werden können, wenn der Koch weder fähig ist bei einer Bestellung auf individuelle Wünsche einzugehen, noch die Frische der Produkte bei ihrer Verarbeitung zu überprüfen oder Gerichte abzuschmecken. Und auch die kreative Entwicklung neuer Rezepte und überraschender Gerichte kann von einem Koch mit „eiserner Zunge“ eher schlecht als recht übernommen werden.

 

Neben der fehlenden Persönlichkeit im Service sollte man auch die tatsächliche Verlässlichkeit von Robotern in Frage stellen, denn technische Ausfälle kann es auch bei den elektronischen Gesellen geben und dann ist tatsächlich erst einmal alles aus.

 

Und Roboter können nicht nur  ausfallen, sie sind auch nicht flexibel.

Mal schnell einen Toilettencheck machen, dem Koch zu Hilfe eilen oder der jungen Frau an Tisch 2 erklären, wo in der Nähe die beste Bar zum Weiterziehen ist – das kann eben doch nur ein Mensch. Lächeln, sprechen, auch mal schlechte Laune haben oder eine Bestellung vergessen, Gäste Wiedererkennung und neue Besucher herzlich willkommnen heißen – das alles bedeutet Service. Das alles macht Gastronomie und das „Erlebnis Restaurant“ aus.

Und dafür braucht man eben doch noch Arbeitskräfte, die im wahrsten Sinne des Wortes menschlich sind. 

 

Bild: https://unsplash.com/@ramblere


Antworten

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Jetzt für den sell & pick Newsletter anmelden!

Anrede*
Vorname*
Nachname*
Firma*
E-Mail*