Künstliche Intelligenz übernimmt das Ruder – Sieht die Zukunft wirklich so düster aus?

Was gestern die Fabriken und vorgestern die Eisenbahn war, sind heute die Computer. Vielmehr noch: intelligente Computer. Die industrielle Revolution 4.0 – sie ist in vollem Gang. Aber ist das nun gut oder schlecht? Ersetzen Roboter bald schon unsere Arbeitskraft? Verdrängen sie den Menschen vielleicht sogar vollends vom Arbeitsmarkt? Oder stecken in dieser neuen Entwicklung nicht auch viele Chancen?

Ob Care-Roboter in Pflegeheimen oder Kundenservice-Bots auf Webseiten. In Neuseeland liefern seit einiger Zeit Drohnen Pizza aus, weltweit gibt es Autos, die ohne unsere Hilfe einparken und effiziente Sicherheitssysteme erkennen unsere Gesichter. Wer noch nicht erkannt hat, dass intelligente Maschinen schon längst Einzug in unseren Alltag gefunden haben, der lebt wohl hinter’m Mond. Und wie es ist mit allem was neu ist und besonders schnell auf einen zukommt? Es macht Angst. Denn der Mensch ist letztlich auch nur ein Tier. Und das tendiert nun einmal dazu, sich in Ausnahmesituationen bedroht zu fühlen.

 

Auf solch einem guten Nährboden für Zweifel entwickeln kritische Äußerungen von Experten natürlich wellenartige Züge. Zum Beispiel die von Professor Stephen Hawking. Er prophezeite: „Die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz kann das Ende der menschlichen Rasse bedeuten.“ Ebenso kritisch klingt die Vorhersage des Gouverneurs der Bank of England, Mark Carney. Seiner Meinung nach werde die Robotertechnik im Laufe der nächsten Jahre dazu führen, dass alleine in Großbritannien bis zu 15 Millionen Menschen ihren Job verlieren.

Auch die Strategie die hinter jeder denkenden Maschine steht, beunruhigt viele Leute. Denn um intelligent zu sein und zu bleiben, muss die Technik die Möglichkeiten und Kapazitäten haben, eine unglaubliche Menge an Daten zu speichern. Quasi pausenlos. Und unabhängig davon wie privat sie für den einzelnen sind. Ein hoher Preis für die Weiterentwicklung, ohne Frage! Aber es stecken eben auch große Möglichkeiten darin. Für die Wirtschaft und damit letztlich auch für die Gesellschaft.

 

 

Um nur ein paar Aspekte zu nennen: Wie wäre es, wenn es in vielen Fabriken und Industrien Maschinen gebe, die selber entscheiden könnten, wann sie laufen und wann nicht? So würden sie die Produktion etwa dann hochfahren, wenn es nicht nur die Nachfrage erlaubt, sondern auch der Betriebskostenpreis begünstigt. Das würde dazu führen, dass das Unternehmen weitaus wirtschaftlicher arbeitet und damit auch seine Mitarbeiter besser bezahlen kann.

Nun, Fabriken mit solch intelligenter Technik gibt es in Deutschland tatsächlich schon. Sie sind Pioniere. Und zeigen als solche, dass intelligente Technik effektiv arbeitet. Tatsächlich ist es sogar so, dass eine Vielzahl an Firmen, die ihre Kernprozesse automatisieren, ihre operationelle Effizienz verbessern – indem sie sich wiederholende Aufgaben von Maschinen ausführen lassen. Der Faktor „menschliches Versagen“ setzt hierbei aus und sie können genauere Ergebnisse erzielen.

 

Und vielleicht betrachtet man den Hype auch einfach mal aus einem anderen Blickfeld: Klar, Computer und Roboter werden heute schon an vielen Stellen statt einer menschlichen Arbeitskraft eingesetzt. Sie treten aber hauptsächlich dort auf, wo es um stupide und immer gleiche Arbeitsschritte geht. Zum Beispiel am Fließband. Letztlich sorgen sie damit auch dafür, dass durch die frei werdenden Arbeiter auch Kapazitäten frei werden. Eben jene Kapazitäten, die ein denkendes menschliches Wesen nun einmal hat im Gegensatz zu einer Maschine, die nur reproduzieren kann. Wir denken an all die wunderbaren Berufsfelder, die mit Kreativität, Herz und Verstand zu tun haben. So wird eine Maschine bestimmt immer ein Auto zusammenschrauben, sie wird es aber niemals entwerfen können – nach dem Lebensgefühl, der Idee, die letztlich hinter jeder Marke steckt und nicht nur deren Identität, sondern auch die des potentiellen Käufers ausmacht.

Solche teilweise hoch emotionalen Konstrukte sind auch intelligenten Maschinen fremd. Und unverständlich. So mag es schließlich sein, dass wir im Zuge der Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz vielleicht auch eine Aufwertung des kreativen Sektors und seiner Errungenschaften erfahren dürfen. Das wäre sicher erfreulich.

 

Abgesehen davon: viele Experten gehen ohnehin davon aus, dass trotz der enormen Zunahme der AI-Entwicklungen deren finaler Durchbruch nicht mehr in diesem Jahrhundert zu erwarten ist. Während Roboter ohne Frage enorme Datenmengen verarbeiten können, sich in vielen und immer mehr routinierten Arbeitsabläufen bewähren und auch im Hinblick auf ihre Kosten unschlagbar sind, werden wir ganz sicher noch lange Menschen brauchen, die mit ihrer Intuition, strategischem Denken und auch mit ihrer Kreativität den wirtschaftlichen Erfolg unserer Unternehmen anführen.

Was sicherlich am unklügsten wäre: vor der wachsenden Bedeutung von AI die Augen zu verschließen. Und mehr noch: ihre Vorteile zu ignorieren. Stattdessen sollten wir gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der intelligente Maschinen und Menschen zusammenarbeiten. In der nicht das eine das andere ersetzt, sondern sie ihre Arbeit ergänzen. Und dem Menschen die lästigen, stupiden Aufgaben erspart werden können. Sicher bedeutet das auch für viele Arbeitnehmer ein Umdenken und eine Veränderung des eigenen Tätigkeitsfeldes. Aber für die Generationen die kommen, wird es selbstverständlich sein, dass Maschinen eine Fabrik schmeißen. Und sie werden sich stattdessen eine Arbeit aussuchen, die mehr Menschlichkeit erfordert. Und die sie letztlich damit vielleicht auch mehr Mensch sein lässt, als sie es in einer großen, lauten Halle am Fließband sein könnten.


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