Burnout in Gastronomie und Handel – Gründe und Vorsorge

Der Kunde ist immer König! Jeder will am besten als erstes bedient und versorgt werden – sei es von Angesicht zu Angesicht im Geschäft oder im Lokal oder aber auch in der Kommunikation am Telefon, per Mail oder online. Wie kann man diesen Anforderungen als Dienstleister gerecht werden, ohne sich bzw. seine Mitarbeiter damit ausbrennen zu lassen? Psychologen, die sich mit dem Thema Burnout beschäftigen, wissen: wer über lange Zeit unter Stress arbeitet, schaltet irgendwann automatisch auf Autopilot. Er rettet sich von einem Tag zum anderen und gerät bei dem Versuch optimal zu funktionieren immer mehr auf Hochtouren. Bis eines Tages der große Zusammenbruch kommt.

 

Wir sind heute immer und überall erreichbar – via Telefon, Mail und nicht zu vergessen diverse Messenger-Dienste über Social Media und App. Und nur wer schnell antwortet, kann im schnelllebigen Businessalltag mithalten, gilt als flexibel und damit als attraktiv für Arbeitgeber, Kunden und Co. Jedes noch so kleine Zeitfenster wird ausgenutzt. Abschalten? Unmöglich. Denn man will und darf ja nichts verpassen. Aber was macht das mit uns? Die Dauererreichbarkeit ist eigentlich nur eine Begleiterscheinung des immer stärker werdenden Leistungsdrucks. Das Zusammenspiel macht uns anfälliger für Burnouts. Besonders groß ist die Belastung für Mitarbeiter aus der Gastronomie und dem Handel – denn sie stehen im direkten Kontakt mit Gast und Kunde, müssen nonstop aufmerksam sein und für etwaige Probleme schnell Lösungen finden.

 

Also was tun, damit es gar nicht erst soweit kommt, dass man völlig ausgebrannt ist? Die Lösung lautet so einfach wie schwer: Ruhephasen ganz bewusst in den Tagesablauf einplanen. Diese Phasen mögen noch so kurz sein, sie sorgen aber dafür, dass der Kopf immer mal wieder frei werden kann. Und wer frei im Kopf ist, nimmt jede Alltagshürde leichter. Ein blockierter Kopf hingegen wird irgendwann Hindernisse sehen wo keine sind. Und unter ihnen einbrechen. Nur eins der vielen Symptome für die gefürchtete Volkskrankheit Burnout. Aber wie schaffen wir es, uns und unsere Gehirne auf Reset zu setzen? Einfach mal zwischendurch einen Gang runterschalten, wo unsere Arbeitstage doch aus minutiös, eng getakteten Zeitfenstern bestehen? Wir können es schaffen indem wir uns selber mit ebenso großer Priorität behandeln wie den Gast oder den Kunden. Heißt nicht, dass man jetzt jedes Mal, wenn der Gast nach einem Kaffee fragt, sich erst selber einen genehmigt. Wohl aber, dass man sich Zeit nimmt für einen genussvollen Cappuccino. Oder eine kurze Pause am Abend, um ganz bewusst den Abschluss des Arbeitstages einzuleiten und sich auf den Feierabend zu freuen.

 

Kleine Veränderungen sind machbar und schränken unsere allgemeine Effizienz nicht ein, sondern fördern sie sogar. Denn je gelöster wir sind, desto effizienter arbeiten wir, wenn es drauf ankommt. Kleine Auszeiten beginnen schon am Morgen. Wer sich zum Beispiel nur 15 Minuten für ein richtiges Frühstück gönnt und sich zwingt sich erst außerhalb der eigenen Haustür Mails, Social Media und Co. zu widmen, wird viel ausgeglichener in den Tag starten, als derjenige, der noch mit der Zahnbürste im Mund die Bad News abruft, die über Nacht eingegangen sind. Auch unsere Arbeitswege sind kleine willkommene Auszeiten im Tagestrubel. Wir müssen sie nur nutzen. Sei es auf dem Fahrrad, in der Bahn oder im Auto – diese Transferspots zur handyfreien Zone zu erklären, hilft. Wenn das morgens auf dem Hinweg zur Arbeit nicht möglich ist, dann aber abends. Ein gutes Buch, eine Radfahrt an der frischen Luft oder auch einfach mal sinnlos aus dem Busfenster schauen – macht alles den Kopf frei und sorgt wieder für neue Gedankenressourcen. Und wer bis kurz vor der Haustür mit dem Kollegen noch am Handy die Probleme des Tages diskutiert, wird garantiert schwerer in den Feierabend kommen…

 

Auch die Mittagspause sollte heilig sein. Klar, sowohl im Gastronomiebetrieb als auch im Handel ist das oft schwer einzuhalten – wenn der Laden brummt, dann brummt er eben! Es muss ja jemand für die Kunden/Gäste da sein. Aber mit gutem Teamwork und einer rücksichtsvollen Achtsamkeit aller Kollegen, dass keiner zu kurz kommt, ist das machbar. Warum die Mittagspause so wichtig ist? Wer nicht isst und genügend trinkt, der kann nicht denken. Und wird je nach Veranlagung spätestens gegen Nachmittag mit Kopf- und/ oder Magenschmerzen bestraft was im schlimmsten Fall zum Ausfall für den restlichen Tag führt. Und das wirkt sich letztlich negativ auf die Belastung des ganzen Teams aus.

 

Ein Mal am Tag sollte es außerdem heißen: raus hier! Ein kurzer Spaziergang, frische Luft, und schon kommt man auf andere Gedanken. Solche Termine mit sich selbst sollte jeder Mitarbeiter auch in der Gastronomie und im Handel festlegen – und als guter Arbeitgeber gilt es genau das zu fördern. Denn letztlich wirkt man so nicht nur dem Worst Case Szenario Burnout entgegen, sondern auch der allgemeinen Mitarbeiterzufriedenheit. Und zufrieden arbeitet es sich nicht nur gesünder, sondern auch effizienter. Abschließend dürfte klar sein: Übermäßiger Stress über einen langen Zeitraum ist also auch in unserer heutigen Arbeitsrealität kein Zeichen von Effektivität und Erfolg. Sondern von verantwortungslosem Umgang mit menschlichen Ressourcen.

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