Der Bäcker Feihl, Neumarkt:
Mit Daten statt Bauchgefühl zu niedrigeren Personalkosten und höherer Produktivität
Mit sell & pick optimiert das Familienunternehmen aus der Oberpfalz den Personaleinsatz. Statt aus dem Bauch heraus zu planen, wird nun datenbasiert die ideale Stundenleistung je Fachgeschäft ermittelt.
Sie nennen sich auch die Brot-Brüder: Zusammen mit Andreas, verantwortlich für die Produktion, und Philipp, zuständig für den Bereich Verkauf, leitet Johannes Feihl ein Familienunternehmen in Neumarkt/Oberpfalz in fünfter Generation – die ersten Brote wurden hier 1895 gebacken. Johannes ist der Kopf fürs Administrative, bei ihm laufen die Zahlen zusammen. Bis zur Kooperation mit sell & pick wurde die interne Bestellung nach Bauchgefühl vorgenommen, berichtet er ganz offen: „Deswegen wurde oft mehr produziert, als am Ende tatsächlich nachgefragt war.“
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Das Richtige ist zum richtigen Zeitpunkt vorrätig
Auf der Suche nach einer KI-Lösung für das Bestellsystem wurde man bei sell & pick fündig: Die benötigten Mengen werden nun basierend auf historischen Bestell- und Verkaufsdaten, Wetterprognose, Ferienzeit, Feiertag etc. vorgeschlagen. Der Effekt: Es gibt weniger kostspielige Retouren und die richtigen Produkte sind zum richtigen Zeitpunkt für die Gäste verfügbar. Zum Beispiel die beliebten Feihl-Spezialbrote, die oft auch abends für die nächsten Tage gekauft werden. „Von denen verkaufen wir jetzt viel mehr“, so Johannes Feihl. Und sein Bruder Andreas weiß dank der Daten schon drei Tage vorher, welche Brotmengen benötigt werden. Das ist sehr wertvoll, schließlich produziert man viele Brote im traditionellen Langzeitverfahren mit bis zu 36 Stunden Teigruhe. Slow food meets real-time data.
Personalkosten runter, Produktivität rauf
Mit dem Wareneinsatz fing die Zusammenarbeit an, mit dem Personaleinsatz ging sie weiter. Die Personalkosten steigen in vielen Unternehmen bekanntlich aktuell. Bei Feihl steht heute ein – in diesem Fall erfreuliches – Minus vor der Kennzahl: Im ersten Quartal 2026 betrug die Veränderung der Personalkosten gegenüber dem Vorjahr nämlich −1,5 %. Der Grund: Die Mitarbeitenden werden effizienter eingesetzt.
Der Dreh- und Angelpunkt für den effizienteren Einsatz ist die Stundenleistung, sprich wie viel Umsatz pro Stunde ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin erzielt. Feihl:
„Hier liegen wir aktuell bei durchschnittlich 74 Euro pro Stunde netto über alle Betriebe. 2025 lagen wir bei 67 Euro."
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Die Kennzahlen machen Über- und Unterbesetzung sichtbar
Auf Grundlage der Umsatz- und Verkaufszahlen pro Mitarbeitendem pro Betrieb und Schicht lasse sich sehr genau analysieren, wie die Personaleinsatzplanung optimiert werden kann. Liegt eine Überbesetzung vor? Dann werden zum Beispiel kürzere Mittelschichten von sechs Stunden eingeplant, sodass ausreichend Mitarbeitende vor Ort sind, wenn der Andrang höher ist. In ruhigeren Randzeiten hingegen wird dank Daten nicht mehr zu viel Personal eingesetzt. Ebenso legen die Kennzahlen auch eine mögliche Unterbesetzung vor: Eine sehr hohe Stundenleistung kann darauf hinweisen, dass die Mitarbeitenden vor Ort überlastet waren und mehr Personal benötigt worden wäre – erstens, um die Kolleginnen und Kollegen zu entlasten und zweitens, um Gäste zügiger bedienen zu können – was wiederum für den Gesamtumsatz zuträglich ist. „Wir stellen jetzt auch auf Basis des Bedarfs neu ein“, so Johannes Feihl – von Aushilfen, die einmal pro Woche kommen, über Teilzeitkräfte, die viermal pro Woche sechs Stunden im Einsatz sind, bis zu Vollzeitkräften gibt es in seinem Unternehmen viele verschiedene Modelle.
Man sieht es: Eine für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und das Team gute und „gesunde“ Stundenleistung bedarf einer genauen und standortspezifischen Betrachtung. „Die Stundenleistung am Hauptbahnhof, wo wir auf kleiner Fläche hauptsächlich Ware zum Mitnehmen verkaufen, ist eine ganz andere als in einem Betrieb mit Café und Geschirr. Darum betrachten wir die Leistung Laden für Laden individuell und arbeiten kontinuierlich daran“, so Johannes Feihl. Überdies wurde die Stundenleistung nicht nur nach Betrieb, sondern auch nach Wochentag analysiert und optimiert. Das heißt: Sonntags wird nun eine andere Stundenleistung geplant als beispielsweise montags – das ist wesentlich effektiver, als mit monatlichen Mittelwerten zu arbeiten.
Gemeinsam mit der Betriebsleitung werden die Auswertungen analysiert: Wann kann der Personaleinsatz verringert werden? Wann werden mehr helfende Hände benötigt? Darüber hinaus werden, wiederum fußend auf Erfahrungswerten, Wunsch-Stundenleistungen vorgegeben und den Filialen wird ein entsprechendes Kontingent an zu verteilenden Arbeitsstunden zugewiesen. Am Monatsende werden Soll und Ist verglichen und ausgewertet. „Unsere Führungskräfte sind sehr motiviert, einen optimalen Stundensatz in ihren Betrieben zu erzielen“, berichtet Feihl.
Ein gutes Feihl-Brot braucht Zeit – und die bekommt es auch. Zeit brauchte es ebenso, um die Prozesse in der Personalplanung zu optimieren. „Bis die Sache so richtig in Schwung kam, hat es rund zwei Jahre gedauert. Von heute auf morgen geht das nicht. Aber wir sind auf dem richtigen Weg!“, so Johannes Feihl. Als nächstes wird die Arbeit in der Backstube analysiert und optimiert, denn die Stundenleistung lässt sich neuerdings auch für die Produktion auslesen. Das Ziel ist, neben dem Verkauf in den Filialen auch die Produktion besser auszusteuern. Unter anderem soll dies durch eine Reduzierung der Produkte je Warengruppe oder durch eine bessere Tourenplanung herbeigeführt werden.
Engmaschige Unterstützung
Alle vierzehn Tage trifft sich Johannes Feihl digital mit seinem Ansprechpartner bei sell & pick. Im Call wird der aktuelle Stand besprochen, welche Ziele erreicht wurden, ob es irgendwo Nachholbedarf gibt und was man als nächstes erreichen will. „Das motiviert enorm“, so Johannes Feihl.
Über Der Bäcker Feihl
1895 eröffnete Georg Feihl in Neumarkt/Oberpfalz seine Bäckerei. Später übernahm sein Sohn Karl den Betrieb, nach dem Zweiten Weltkrieg dessen Sohn Martin. Er ließ im Ort eine neue Großbäckerei bauen und belieferte im VW-Bulli Fachgeschäfte und Warenhäuser in der ganzen Region mit seinem Holzofenbrot. Sein Sohn Wolfgang baute das regionale Netzwerk an Bäckerei-Fachgeschäften aus. Seit 2018 leiten seine drei Söhne Andreas, Johannes und Philipp das Unternehmen in der neuen Firmenzentrale und Produktion im Ortsteil Pölling. Das Unternehmen hat heute rund 450 Mitarbeitende (50 davon in der Firmenzentrale), 37 Filialen und erzielte 2025 einen Jahresumsatz von 22 Mio. Euro.